Lena von Goedekes verewigtes Eis

Kunstwerke der Künstlerin Lena von Goedeke: eine Rettungsweste aus Beton und Füße aus Gips.
Kunstwerke der Künstlerin Lena von Goedeke: eine Rettungsweste aus Beton und Füße aus Gips.
 

In Lena von Goedekes Atelier stellen wir erst beim zweiten Hinsehen fest: Hier ist nichts so, wie es scheint! Wir entdecken eine Rettungsweste aus Beton, Eisblöcke aus Glas und Füße aus Gips. Manchmal wird es noch verwirrender, zum Beispiel gibt es einen Arm aus Gips, den Lena mit Bleistift angemalt hat, sodass er aussieht wie Metall. Manche der Objekte sind lustig, andere auch ein bisschen unheimlich. Da muss Lena erst mal erklären, wo all die Dinge herkommen und was es mit ihnen auf sich hat!

Die Künstlerin Lena von Goedeke erzählt Kindern der Ephra-unterwegs Gruppe von ihren Reisen.

Sie erzählt uns, dass sie sehr viel auf Reisen ist, am liebsten in der Arktis. Dort fährt sie jedes Jahr hin, um die Landschaft zu beobachten. Beim ersten Mal war sie drei Wochen lang auf einem riesigen Segelboot. Wenn sie an Land unterwegs ist, hat sie meistens ein Gewehr dabei, wegen der Eisbären. Das klingt ziemlich aufregend, aber Lena macht so einen abgebrühten Eindruck, dass sich da wohl eher der Bär in Acht nehmen muss.

Das Eis in der Arktis schmilzt wegen der Erderwärmung immer schneller – der Boden wird weich, Berge bewegen sich, Seen entstehen – und deswegen sieht es dort jedes Mal ganz anders aus. Vielleicht liegt es an dieser rasenden Veränderung, dass Lena die Dinge, die sie sieht, festhalten möchte. Besonders gerne macht sie vor Ort Abdrücke von Objekten, von Steinen oder Eisstücken, mit Hilfe einer rosa Masse. Die Abdruckformen, die sie uns zeigt, sehen ein bisschen aus, als hätte jemand ganz viel Kaugummi oder rosa Gummimäuse eingeschmolzen. Wenn sie mit den Formen zurück ins Atelier kommt, gießt sie zum Beispiel Glas oder Beton hinein. Auf diese Weise kann sie die vergänglichen Materialien zumindest als Form verewigen. Dabei entsteht eine Kopie, die zwar täuschend echt aussieht, aber immer ein bisschen anders ist als das Original. Schließlich hat Lena ihre eigene Wahrnehmung und Erinnerung – also ihr ganz persönliches Bild von dem Gegenstand – mit in die Form hineingegossen. Für Lena ist das so ähnlich wie mit der Fotografie: Auch bei Fotos gehen wir häufig davon aus, dass sie etwas genauso abbilden, wie es gewesen ist. Aber tatsächlich gibt oft schon allein die Richtung, aus der wir einen Gegenstand fotografieren, eine ganz bestimmte Bedeutung vor. Die Wahrnehmung ist dann „gefärbt“, genau wie Lenas Objekte.

Aber seit wann macht Lena eigentlich schon Kunst – und warum? Sie verrät uns, dass Kunst schon in der Schule ihr Lieblingsfach war, weil sie einen besonders tollen Lehrer hatte. Er hat viel mit ihnen ausprobiert und vor allem durften sie manchmal Blödsinn machen. Er hat die Klasse außerdem oft in Ausstellungen und Ateliers mitgenommen, was Lena sehr beeindruckt hat. Sie würde sich das generell für den Kunstunterricht wünschen, weil es besonders in Berlin so viel zu entdecken gibt! Die Schule war auch der Ort, an dem Lena zum ersten Mal ihre Kunst präsentiert hat, mit 16. Da war sie sehr nervös und obwohl sie inzwischen schon über 50 Ausstellungen hatte, ist sie jedes Mal wieder genauso aufgeregt wie damals. Ob man für eine Ausstellung eigentlich eine Belohnung oder einen Pokal bekommt? Leider nein, aber wenn es gut läuft, hilft das Museum oder die Galerie dabei, neue Arbeiten zu produzieren und manchmal bekommt Lena auch Geld. Damit geht sie dann natürlich am liebsten reisen.

 
Die Hände von Lena von Goedeke und die eines Kindes berühren sich über einem Tisch mit Papieren und Stiften
Ein Kind macht einen Abdruck von einem Finger mithilfe der rosa Masse.
Hände eines Kindes, ein Finger ist silber eingefärbt

Bevor unsere Reise in Lenas Wunderwelt vorbei ist, dürfen wir selbst mit der rosa Masse experimentieren. Wir kneten und machen Abdrücke von allem möglichen – Finger, Nasen, Ohren und Steine werden eingepackt und stillgehalten, bis die Masse fest ist. Zu Hause können wir die Formen dann mit Wasser füllen und Eiswürfel machen, auf denen sogar die feinen Linien und Falten unserer Haut zu sehen sind. Wir freuen uns schon darauf das auszuprobieren und winken Lena zum Abschied. Wenn wir das Sagen hätten, würde sie sofort einen Pokal bekommen – am liebsten einen aus Eis!

 
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